Was ist anders
Aus Ruderwiki
Inhaltsverzeichnis |
Was macht das Steuern eigentlich so kompliziert?
Ganz einfach: Jeder, der schon mal versucht hat, mit dem Auto rückwärts zu fahren oder ein Fahrrad rückwärts zu schieben, hat seinen Spass damit gehabt. Es reagiert ganz anders als man es gewohnt ist.
Viele haben auch ihre Erfahrung schon mal mit Einkaufswagen im Baumarkt gehabt, die manchmal starre Vorderachse und bewegliche Hinterräder haben: der erste Lenkversuch endet meist im Crash in die Kassenzeile.
Damit kommen wir schon zum wichtigen Unterschied:
Ruderboote haben ein Hecksteuer
Das bedeutet, es bewegt sich nicht wie beim Auto/Fahrrad o.ä. die vordere Achse, sondern die hintere.
Ein weiterer Unterschied ist die Tatsache, dass man bei Landfahrzeugen einen festen Bodenkontakt hat, der einem die Spur führt. Ein Ruderboot hat dies nicht, es driftet über das Wasser, egal in welche Richtung, und nur, dass eine Richtung den geringsten Widerstand bietet (Bug vorne) sorgt dafür, dass es überhaupt einer Richtung folgt.
siehe: Mit dem Hecksteuer steuern
Ruderboote driften
Wenn man eine Lenkbewegung im Ruderboot macht, lenkt das Steuer das Heck seitlich aus. Da die träge Masse des Bootes aber weiterhin "geradeaus" will, driftet das Bootes zeitweilig in eine andere Richtung, als der Rumpf ihr vorgibt bzw. noch wichtiger, als es dem Steuermann der sich an der Ausrichtung des Rumpfes orientiert.
Das Boot beschreibt seine Kurve also ein Stück weiter in die Außenkurve versetzt, als man erwarten könnte!
siehe: Mit_dem_Hecksteuer_steuern#Drift
Boote reagieren verzögert
Bis das Boot wieder der Rumpfrichtung folgt, vergeht eine gewisse Zeit, in welcher das Boot seitlich zur Fahrtrichtung versetzt wird.
Wenn man das Steuer auslenkt, dauert es eine Weile, bis das Boot anfängt dem neuen Kurs zu folgen. Das bedeutet, man hat eine zeitliche Verzögerung von ca. 3 Sekunden, bis das Boot in der vollen Drehbewegung ist.
Lässt man das Steuer los, so dreht das Boot eine Zeit lang weiter, und kommt nach wiederum ca. 3s in der neuen Richtung an.
siehe: Mit_dem_Hecksteuer_steuern#Drehimpuls
Boot bewegt sich mit dem Wasser
Das Boot bewegt sich nicht relativ zu den umgebenden Ufern, sondern immer und nur relativ zum umgebenden Wasser. Das bedeutet, wenn das Wasser sich bewegt, folgt das Boot nicht unbedingt dem Kurs, den das Boot von seiner Ausrichtung her erwarten lässt.
Welche Auswirkungen hat dies
Innenkurven werden nicht geschnitten
Wenn man steuert/lenkt, achtet man intuitiv darauf, was die Bugspitze bzw. das Vorderrad seines Fahrzeuges macht. In der Art und Weise wie nun das Fahrzeug der Spitze folgt, gibt es Unterschiede bei Bug- und Hecksteuer.
Da beim Steuern nicht der Bug in die gewünschte Richtung bewegt, sondern das Heck in die entgegengesetzte Richtung gedrückt wird, kann es nicht passieren, dass man in der Innenkurve hängen bleibt (links im Bild, Heck liegt weiter in der Außenkurve als der Bug).
Das Fahrschulanfängerproblem, dass einem die Dellen in der Seitentüre beschehrt, weil man den Laternenpfahl zu eng genommen hat, kann einem beim Ruderboot nicht passieren (rechts, Heck liegt weiter in der Innenkurve).
siehe:
Boot drängt in die Außenkurve
Ein Auto wird nie eine Laterne in der Außenkurve beschädigen, da analog zum Fall der Innenkurve der Bug in die gewünschte Fahrtrichtung gelenkt wird, und das Auto dieser Richtung folgt. Beim Ruderboot wird aber genau das Gegenteil gemacht, das Heck bewegt sich in Richtung Außenkurve, und man kommt dieser immer näher.
Zusätzlich driftet das Boot auch noch in die Außenkurve, weil seine träge Masse erst vom vorbeiströmenden Wasser in die richtige Richtung gelenkt werden muss. Dabei driftet das Boot eine Zeit lang seitlich in Richtung Außenkurve.
siehe: Hindernis ausweichen
Boot legt sich vor Hindernissen quer
Wenn der Steuermann merkt, dass er einem Hindernis in der Außenkurve zu nahe kommt, steuert er reflexartig stärker. Das Boot dreht sich weiter, kommt aber nicht vom Hindernis weg, da ja das Steuer das Boot in die falsche Richtung drückt.
Die Folge ist, dass am Ende des Manövers das Boot quer und mittig vor dem Hindernis zum liegen kommt. Was das bedeutet kann im im Abschnitt Hindernisse und Strömung nachlesen.
Boot wird an Hindernissen vorbei/auf Hindernisse gedrückt
Da ein Boot mit der Strömung treibt, und sich nur relativ zur eventuell sich bewegenden Wasseroberfläche bewegt, scheinen sich Hindernisse im Wasser zu bewegen, und es kann zu Kollisionen mit diesen kommen, die nach dem Kurs des Bootes nicht zu erwarten waren.
Da sich die Geschwindigkeiten addieren, kommt es so beim Abwärtsfahren zu besonders heftigen und oft Materialzerstörenden Kollisionen.
Weiter: Mit dem Hecksteuer steuern







