Vorrollen

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Inhaltsverzeichnis

Das Vorrollen

"Let the boat run, rest, and prepare for the next stroke "


Viele meinen, das Ziel der Vorrolle ist es, so schnell wie möglich wieder in die Auslage zu kommen.

Das ist FALSCH!

Das Ziel der Vorrolle ist es, die Bootsgeschwindigkeit zu erhalten, sich zu erholen, und den nächsten Durchzug vorzubereiten.

  • Bootsgeschwindigkeit erhalten
Das System aus Boot und Ruderer (Was nicht gleich der Rumpfgeschwindigkeit ist!) hat am Ende des Durchzuges die höchste Geschwindigkeit (siehe auch Rumpfgeschwindigkeit). Es bewegt sich ohne dass man etwas tun muss vorwärts. Man kann es gleiten lassen, ruderisch "laufen lassen" genannt! Je mehr man dies nutzt, und je länger man diese Geschwindigkeit erhält, desto ökonomischer ist die Bewegung.
  • Rumpfgeschwindigkeit minimieren
Man kann im Abschnitt Rumpfgeschwindigkeit sehen, dass während der Vorrolle der Widerstand des Rumpfes (wegen der höchsten Geschwindigkeit -> Reibung) am größten ist. Gerade in der Vorrolle kommt es also darauf an, den Widerstand durch geschicktes gleichmäßiges Führen des Rumpfes zu minimieren.
  • Erholung
Der menschliche Körper hat Grenzen. Muskeln brauchen Erholung, und in der Vorrollphase können sie diese bekommen. Also müssen wir ihnen die Zeit geben.
  • Boot gerade stellen
In der Freilaufphase muss das Boot in der Horizontalen gehalten werden ("`Boot stellen"'), so dass man sauber die Blätter führen und direkt am Ende der Vorrollbewegung einsetzen kann.
  • Durchzug vorbereiten
Ein Durchzug ist nur so gut wie seine Vorbereitung. Das Boot muss gerade sein, noch so viel Tempo wie möglich haben, der Körper muss in der richtigen Position sein, das Werkzeug (=Skulls) und der Ruderer richtig positioniert sein, um einen schnellen Übergang zum Durchzug zu bekommen. Das funktioniert nur, wenn man alles sauber und konzentriert frühzeitig vorbereitet.
  • Koordination
Am Ende des Vorrollens müssen alle im exakt selben Augenblick wieder im Wasser und bereit zum Zug sein. Dies perfekt zu koordinieren ist eine der schwersten Aufgaben beim Vorrollen!

Das Vorrollen ist der kompliziertete Teil der Bewegung. Auf jedem Fall jener, bei dem man am meisten falsch machen kann.

wichtige Vorraussetzungen für die Vorrolle

Für eine saubere Vorrolle hilft - wie beim Durchzug - wenn man sich klar macht, was sich eigentlich im Boot bewegt (siehe Rumpfgeschwindigkeit):


Man rollt nicht im Boot, sondern zieht das Boot an den Füssen unter sich durch

Verankerung im Boot

Im Moment des Aushebens zieht man aktiv die Fußspitzen heran, und drückt die Fersen leicht an das Stemmbrett. Dadurch hat man eine Verankerung und die notwendige Kontrolle, die man benötigt um die Bewegung von Boot, Händen und Oberkörper zu steuern. Denn während des Durchzuges ist der Körper schneller als das Boot, beim Vorrollen ist es genau umgekehrt.

ruhiger Übergang

In der Mitte der Vorrolle liegt der Übergang von Arm/Oberkörperarbeit zu Beinarbeit. Dieser Übergang fällt mit der höchsten Rumpfgeschwindigkeit und damit den höchsten Energieverlust im Verlauf des ganzen Schlages zusammen (siehe Rumpfgeschwindigkeit). Je ruhiger der Übergang ist, je niedriger die Geschwindigkeitsspitze, desto geringer der Widerstand.

saubere Blattführung

Die Blätter sollen sich mit einer konstanten Geschwindigkeit vom Heck in den Bug bewegen.

Die Blätter sollen am Ende der Vorrollbewegung schnell und ohne Pause von allen Mannschaftsmitgliedern zügig und kontrolliert gemeinsam ins Wasser gesetzt werden.

Um dies zu erreichen, müssen die Blätter bereits beim Vorrollen dafür fertig gemacht werden: Sie müssen ("`über den Füssen"') gedreht werden, um nicht zum Drehen eine Pause in der Auslage machen zu müssen und das gemeinsame Setzen zu verpassen. Das Blatt darf zusätzlich beim Erreichen der Auslageposition sich nicht in einer Aufwärtsbewegung befinden, um schnell und steuerbar ins Wasser eingesetzt werden zu können. Eine sonst notwendige Bewegungsumkehr verzögert das Setzen und führt zu einer Pause in der Auslage.

Bewegungsvorstellung

Phase I: Hände über die Füsse und anrollen

Das Vorrollen beginnt, indem man sich aktiv (aber entspannt) mit den Füssen im Boot festhält. Mit dieser Verankerung stabilisiert man seine Position im Boot und bewegt die Hände direkt nach dem Ausheben (halbkreisförmige Bewegung) nach vorne, mit dem selben Tempo wie beim Durchzug. Wenn man diese Bewegung begonnen hat, kann man sich für den Rest der Vorrolle vorstellen, die Hände würden die Bewegung führen: Der Handbewegung folgen die Arme, die Schultern, der Oberkörper nahtlos nach.

Das Tempo kommt über ein aktives Hände-über-die-Knie-zu-den-Füssen bewegen. Der ganze Vorgang bis hierher wird durch einen moderaten Zug der Fußspitzen gesteuert. Optimal ist es, wenn die Hände (und damit die Blätter) vom Ausheben bis zu den Füssen ein gleichmäßiges zügiges Tempo haben, und man am Ende mit leicht vorgeneigtem Oberkörper, gestreckten Armen und Schultern in Phase II übergeht!

Ziel: ohne Pause vom Ausheben zügig aber kontrolleirt in die Vorrollbewegung übergehen

Übungen

Übergang

Noch bevor man mit dem Oberkörper in der Vorlage angekommen ist, setzt man die Bewegung der Blätter nach vorne fort, indem man das Boot (und damit die Dollen) mit den Füssen kontrolliert unter sich durch zieht (Phase II).

Oft hilft die Vorstellung, den Durchzug erst als beendet zu erklären, wenn man den Übergang hinter sich hat!

Insbesondere das Anrollen darf nicht plötzlich ruckartig und als plötzliche Beschleunigung nach einer Pause erfolgen. Das spürt das ganze Boot durch einen Geschwindigkeitskick und bringt den Rhythmus durcheinander und erhöht die Rumpfgeschwindigkeit/den Reibungswiderstand.

Ziel: gleichmäßiges Anrollen ohne Pause oder Geschwindigkeitsspitze

Übung: Wechsel der Pausenstellen mit jedem Schlag

Phase II: Rollen und Setzen vorbereiten

Man kommt mit gestreckten Armen, vorgeneigtem Oberkörper und sacht nach vorne geneigten Schultern in der Rollbewegung an. Der Oberkörper ist nun in der Auslageposition, die Füsse führen die Bewegung weiter, und bewegen die Dollen Richtung Bug. Mit den Händen macht man eine aktive Kreisbewegung um die Dollen herum, geht also nach außen über die Bootswand hinaus, man "`öffnet sich"'. Dabei beginnt man beim Überqueren der Füsse die Blätter langsam in die Senkrechte zu drehen, so dass kurz bevor man die Auslage erreicht hat, die Blätter senkrecht stehen. Vor und während des Aufdrehens hält man die Hände konstant unten im Boot (und damit die Blätter vom Wasser weg, und beide auf einer Höhe!), geht aber nicht weiter nach unten.

Erst wenn die Blätter fast aufgedreht sind, und man schon am Vorbereiten des Setzens ist, hebt man die Hände in einem weiten Viertelkreis, um die Blätter in die Nähe des Wassers und - beim Setzen - mit kurzen Weg in das Wasser zu bringen

Wenn man in dieser Phase das Gefühl hat, man selbst bewegt sich nicht, steht auf der Stelle, dann macht man es meist richtig!!!

Ziel: so ruhig und kontrolliert sein wie es nur irgendwie geht, Hände weit nach außen bringen, Boot soll "auf der Stelle stehen"

Übungen:

häufige Fehler

Stampfen

Zwei Positionen sind besonders anfällig:

  • In der Phase zwischen Ausheben und Orthogonalstellung (= Hände-über-den-Knien, 90° Winkel der Skulls zum Kiel), erreicht der Rumpf die höchste Geschwindigkeit der ganzen Ruderbewegung. Wenn der Bug hier ins Wasser einsinkt, drückt er gegen das anströmende Wasser und der Formwiderstand des Bootes steigt.
  • Je weiter man ins Heck rollt, desto mehr kommt der Bug aus dem Wasser und das Heck taucht ein. Auch das bremst enorm.

Diese beiden "`Stampf-Bewegungen"' kann man nicht ganz verhindern, sie ergeben sich aus der Ruderbewegung an sich, werden aber durch Pausen/Vertikalbewegungen enorm verstärkt!

Problem: Stampfen erhöht den Widerstand und das Boot wird langsamer

Übungen

Nach vorne Fallen

Wenn man eine unkontrollierte Fallbewegung in die Auslage macht, also das Boot nicht mit den Füssen unter sich durchführt, sondern einfach einmal Schwung holt und mit diesem irgendwie nach vorne geht, fehlt einem jede Möglichkeit die Bewegung zu steuern. Damit vergibt man jede Chance sauber und zusammen zu rudern.

Problem: Wer nach vorne fällt, macht alleine dadurch meist alle im folgenden genannten Fehler

Übung: Wechsel der Pausenstellen mit jedem Schlag

Abtauchen des Oberkörpers

Wenn man mit dem Rollen fertig ist, das Heck einsinkt, und dann noch eine Pause macht,duckt das Boot ab. Steigerungsfähig noch dadurch, das man den Oberkörper und die Schultern nach unten streckt (während der Rollsitz steht) und damit noch eine Vertikalbewegung einbaut (siehe auch Nachsetzen). Dann taucht das Boot richtig ins Wasser ab, und der Geschwindigkeitsverlust ist RIESIG. Das Boot bleibt regelrecht stehen. Das gilt es zu vermeiden.

Problem: Vertikalbewegungen jeder Art bremsen das Boot

Übung Mit steifem Oberkörper rudern

Pausen machen

Wenn man Pausen in der Bewegung macht, läuft das Boot nicht mehr flüssig, und wird abgebremst. Die bösesten Pausen sind nach dem Ausheben, vor dem Setzen, und beim Übergang zwischen Oberkörper-vornehmen und dem Rollen.

Problem: Die Pause beim Ausheben/setzen erzeugt Stampfen des Bootes, die Pause zwischen den Phasen verursacht eine ruckartige Bewegung und begünstigt eine schießende Vorrollbewegung

Übung: Wechsel der Pausenstellen mit jedem Schlag

Hochkommen der Hände/Auftitschen auf dem Wasser

Oft sieht man wie die Hände nach der Aushebebewegung beim Überqueren der Knie wieder nach oben kommen, und damit die Blätter auf das Wasser zurückfallen. Bei glattem Wasser (vorerst) hauptsächlich ein ästethisches Problem, bei unruhigem Wasser bleibt man so schnell auf der nächsten Wellen hängen.

Oft kommt dieser Fehler vor, wenn die Ruderer Angst haben, das Boot würde kippen. Das Blatt in der Nähe des Wassers bringt eine gefühlte Sicherheit, ein Kippen auffangen zu können. Das ist ein Trugschluss, da das "`auftitschen"' auf Wellen das Boot kippen, einem die Skulls aus den Händen schlagen, und einem noch mehr Unruhegefühl geben.

Oft ist der Grund ein zu frühes Vorrollen, noch bevor der Oberkörper ganz in der Vorlage angekommen ist.

Problem: Unsicherheitsgefühl, ungesteuerte Rollbewegung, Schwierigkeiten beim Setzen

Übung: Tischkantenmodell

Blätter zum weit vom Wasser weg

Insbesondere wenn man nach vorne fällt neigt man dazu, seine Hände sehr weit nach unten in das Boot zu drücken und die Blätter sehr weit vom Wasser weg sind.

Problem: Wenn der Abstand Wasser/Blatt zu groß ist, ist der Weg zum Wasser sehr lang: Setzbewegung ist langsam und schwer mit den anderen zu koordinieren

Übungen

Zusammenfassung

Das Boot sollte so gleichmäßig wie möglich laufen um möglichst wenig Widerstand zu haben. Jede Beschleunigung in der Bewegung bremst unnötig, und verwirrt vor allem die Mitruderer.


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