Steuermöglichkeiten

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Inhaltsverzeichnis

Klassisch: Das Hecksteuer

So sieht ein Gigboot-Steuer nach einem Steuerfehler aus...

Der Klassische Fall bei Schiffen ist ein Hecksteuer. Hierbei wird im einfachen Fall die Strömung, welche am Boot entlang geht, am Ende des Bootes durch ein Ruder abgelenkt. Dadurch wird eine Kraft zur Seite erzeugt, die das Heck des Bootes auslenkt und dem Boot eine neue Richtung gibt. Der Steuermann sitzt darum auch meist am Heck eines Schiffes, wo er einmal die Steuerwirkung "unter sich" bemerken kann, und neben bei noch das ganze Fahrzeug im Blick hat.

Das Hecksteuer kann entweder

  • bei Gigbooten aus einem Brett bestehen, das am Ende des Bootes mit einem Gelenk befestigt ist
  • Bei älteren Rennbooten ein kleines Steuer unter dem Heck
  • oder bei neueren Rennbooten aus einem kleinen in die Finne eingelassenen Steuerblatt bestehen.

In allen Fällen wird der Steuer über eine Steuerleine betätigt, an welcher der Steuermann zieht.

Das Hecksteuer ist ausführlich in dem Abschnitt Hecksteuern erläutert.

In ungesteuerten Booten: Das Fußsteuer

Bei ungesteuerten Booten (also Booten ohne einen festen Steuermann) gibt es oft ein Fußsteuer, das einer der Ruderer während des Ruderns mit seinem Fuß bedient. Traditionell ist dies leider meist der Schlagmann, sinnvoller Weise der Bugmann, da er das Boot überblicken und Hindernisse vor dem Boot erkennen kann.

Dabei wird das Stemmbrett so umgebaut, dass man den einen Fuß mitsamt Fußplatte etwas drehen kann, und die Steuerleine durch diese Drehbewegung betätigt wird. Das Steuer selber ist dabei meist genauso gebaut wie das klassische Hecksteuer.

Die Steuerleine wird entweder über Bowdenzüge oder über Rollen vom Stemmbrett des Steuermannes zum Steuer geleitet. Dabei überkreuzen sich die Leinen grundsätzlich im Heck, da man gefühlsmäßig die Fußspitze in die Richtung dreht, in die man das Boot lenken will. Um das zu erreichen müssen sich die Leinen (Im Gegensatz zum klassischen Steuermann in Fahrtrichtung...) überkreuzen.

Das Fußsteuer sollte man sinnvoller Weise im Bug haben, da

  • Der Bugmann beim Umdrehen sehen kann, wo er hin fährt. Es ist kein toter Winkel, in dem man Hindernisse wie Baumstämme, Bojen oder gar Schiffe übersehen kann
  • Der Bugmann muss sich nicht zur Seite rauslehnen, um nach vorne sehen zu können
  • Der Bugmann kann natürlich einem das Steuer Führenden im Heck per mündlicher Anweisung dirigieren. Das ist aber mühsam, beeinträchtigt zwei Leute bei der Ruderei, und die Genauigkeit des Steuern ist sehr stark eingeschränkt
  • Der Bugmann kann das Boot überblicken, also das Ausschwenken des Hecks, die Drift und die gesamte Steuerbewegung erkennen. Das erleichtert das Navigieren in Engstellen sehr stark bzw. macht es erst möglich diese zu durchfahren
  • Vom Schlag aus kann man ungewollte Fahrtrichtungsänderungen (wegen des kurzen Hecks vor seinen Augen) nur sehr schwer und mit großer Verzögerung erkennen. Der Bugmann sieht das sofort.
  • Der Schlagmann kann auf plötzliche Richtungänderungen des Buges (Querstömungen) gar nicht reagieren.
  • Der Bugmann kann sehr gut gleichzeitig mit dem Fußsteuer und durch überziehen steuern, letzteres hat bei ihm die größte Wirkung.

Entgegen der Tatasache, das alles für ein Fußsteuer im Bug spricht, behaupten nahmhafte Werften, dass 80% der Ruderer es lieber auf Schlag hätten. Ist immer eine Frage wie man fragt und welche Statistik man fälscht. Ein Fußsteuer im Heck ist bestenfalls beim Rudern im Albanosystem sinnvoll einsetzbar.

Mit Fußsteuern im Bug ließen sich viele Unfälle vermeiden.

Bei Gigbooten wird außer von Empacher inzwischen das Fußsteuer glücklicher Weise grundsätzlich im Bug verbaut.

Ohne Steuern: Überziehen

Wenn man kein steuer hat, kann man das Boot nur durch Überziehen oder nur auf einer Seite Rudern steuern. Dabei ist die Steuerwirkung umso besser, je weiter man im Bug sitzt.

Die Wirkung eines einzelnen Ruderers ist oft zu gering um eine wirklich nennenswerte Richtungsänderung zu erreichen. Dann muss man die Mannschaft zur Hilfe nehmen. Hierfür siehe auch Ruderkommandos.

Der größte Vorteil vom Überziehen ist, dass man jetzt keine Hecksteuerung mehr hat, sondern wie gewohnt ein einem Bugsteuer analoges Verhalten hat. Dazu siehe auch Was ist anders und Mit dem Hecksteuer steuern.

Notfall: Steuern durch Stoppen

Wenn man eine sehr plötzliche Steuerwirkung braucht, um einer Kollision zu entgehen oder um danach auf der Stelle zu wenden, kann man auch einseitig stoppen lassen. (siehe Ruderkommandos)

Dabei ist die Wirkung der Ruderer im Heck am größten.

Notfall II: Gegenhalten

Gegenhalten auf Schlag
Eine bei engen Kurven brauchbare, wenn auch sehr anstrengende und wenig effiziente Methode ist es, auf der einen Seite zu rudern, und auf der anderen zu Stoppen.

Dabei ist es nicht möglich, das Skull/den Riemen im 90°-Winkel zu halten (dann kann man nicht mehr rudern), sondern man lässt es einfach lang und zieht den Griff zu einem hin.

Am effektivsten ist es, wenn die Mannschaft komplett auf der einen Seite rudert, und der Schlagmann alleine seinen Skull lang nimmt, und den Griff zu sich hin zieht. Das Blatt ist dann etwa auf der Höhe des Bootsendes, und da die Blattfläche sogar größer ist als die Fläche eines Steuers, kann man damit eine größere Steuerwirkung erziehlen. Das eignet sich sehr gut, um

  • Wenden bei Regatten um Bojen zu machen
  • Bei der Anfängerausbildung/Steuerausbildung als Obmann vom Schlagplatz in das Steuergeschehen eingreifen zu können
  • In Notfällen das Boot zu manövrieren.
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