Durchzug
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Das Durchziehen
the most efficient part...
Das Ziel des Durchzuges ist es, das Boot als ganzes zu beschleunigen.
Für einen effektiven Durchzug ist es hilfreich, sich diesen als einen Durchschub vorzustellen:
Rein physikalisch gesehen zieht man die Blätter nicht durch das Wasser!!!
Das Blatt im Wasser ist eine mobile Verankerung, an der man sich und das Boot vorbeistemmt. Die wahre Bewegungsvorstellung muss also sein, dass man nicht die Blätter um jeden Preis nach hinten ziehen will, sondern man sich selber über die Blättern nach vorne schiebt. Es nicht möglich ist, die Blätter schneller durchziehen als das Boot an Geschwindigkeit hat
Genau genommen bewegt sich das Blatt während des Durchzuges sogar gegen die Fahrtrichtung nach vorne. Man spricht vom sogenannten "hydrodynamischen Lift", der durch die nach-außen-Bewegung des Blattes erzeugt wird. Wer mal sehen will, was es bedeutet ein Blatt durchs Wasser zu ziehen, hat 2 Möglichkeiten:
- Aktiv: der Stegkante ins Boot setzten, einer hält das Boot fest, der andere zieht durch. Nun merkt man den Wiederstand des Wassers.
- Passiv: bei voller Fahrt das Blatt gegen die Fahrtrichtung ins Wasser stecken (physikalisch das selbe Prinzip). Bitte nur ohne 5. Streben, die sind sonst hinüber...
Druckverlauf
Wenn man die Zugkraft als Funktion des Weges skizziert, ist die Fläche unter der Kraftkurve die verrichtete Arbeit (Mathematiker reden auch von einem Integral..). Oft wird eine horizontale Kraftkurve als ideal dargestellt - entsprechend gleichmäßiger Beschleunigung. Dies bekommt man natürlich nicht hin: Der Körper kann in den verschiedenen Phasen des Durchzuges nur verschieden starke Kräfte aufbringen.
In der Abbildung ganz links ist die machbare Realität. Man kann 4 Bereiche erkennen, Druckaufnahme (steiler Anstieg), Beinstoß (Plateau auf hohem Niveau), Armzug (nachlassende Kraft), Ausheben (steiler Kraftabfall).
In der Mitte und rechts sind einmal übertriebene Spitzen beim Setzen und Armzug, sowie "`Kiste schieben"' mit übertriebener Oberkörper/Armarbeit dargestellt. Die kleinen Spitzen führt nur zu enormen Verschleiß von Gelenken und vor allem ermüden sie den Körper schnell, weswegen zwischen den Spitzen die Kraft (und damit die verrichtete Arbeit) meist stark absackt. In beiden Fällen ist kein Gewinn an Fläche vorhanden!!
Je größer die Kraft ist, je schneller nach dem Einsetzen die Kraft greift, je gleichmäßiger sie ist, je länger man sie halten kann und je steiler sie am Ende abfällt, desto effektiver.
Wer seine Kraftkurve einmal ansehen mag, auf den neuesten C2-Ergos kann man diese auf dem Display darstellen lassen (und Fische jagen...).
Übungen:
Bewegungsvorstellung
Die Hauptmasse im Boot ist, wie erwähnt, die Mannschaft und nicht der Bootsrumpf. Oft ist es also besser, wenn man die Bewegung unter dem Aspekt "Ruderer fest, Boot relativ zum Ruderer frei beweglich" zu sehen: wie mit einem Rollausleger.
Am besten stellt man sich vor, das Ziel des Durchzuges, auf das man hinarbeitet, sei das gemeinsame Ausheben. Und um dort hin zu kommen, muss man eine möglichst lange Strecke mit gleichmäßigem Druck auf diesen Punkt hin ziehen und dabei das Boot beschleunigen.
Auslage
Die Unterschenkel sind senkrecht, die Arme weit über die Bordwand rausgreifend ganz gestreckt, die Schultern leicht nach vorne gerichtet. Der Oberkörper ist entspannt, gerade und liegt leicht auf den Oberschenkeln auf. Die Blätter sind ganz im Wasser.
Das Blatt, die Verankerung an der man sich nach vorne schiebt, ist dann richtig im Wasser, wenn die gesamte Blattfläche bedeckt ist und die obere Blattkante gerade überspült (ca. 1cm).
Ziel: Körperposition, aus der heraus man sofort ohne Nachkorrigieren Druck aufnehmen und der Körper den Schub der Beine auf die Skulls übertragen kann.
Übung: Boot anschieben
Phase 1: Beinstoß und Oberkörper aufrichten
Am Anfang des Durchzuges sitzt man fest auf seinem Sitz, die Arme sind vollkommen passiv. Die Beine schieben das Stemmbrett mit den Auslegern & Dollen sowie Boot & Steuermann nach hinten unter einem weg. Oberkörper und Arme halten dabei lediglich den Zug, der von den Skulls ausgeht, weil man mit den Füssen die Dolle - und darüber die Blätter im Wasser - mit den Beinen von sich weg drückt. Der Oberkörper unterstützt den Beinstoß durch gleichzeitiges Aufrichten. Knie- und Hüftwinkel öffnen sich gleichermaßen.
Ziel: Beinkraft nutzen, Arme schonen. Boot beschleunigen
Übung: Rudern ohne Oberkörper
Phase 2: Armzug.
Wenn die Beine fast ganz gestreckt sind, führt der Oberkörper die Bewegung weiter, in dem er weiter in die Rücklage geht, und simultan mittels der Arme die Hände bis ganz an den unteren Rippenbogen' heran bringt. Dabei sollten die Ellenbogen im 90°-Winkel zu den Innenhebeln stehen (effektivste Zugrichtung!), die Schulterblätter gehen etwas zusammen. Am Ende ist der Oberkörper aus der Senkrechten leicht nach hinten geneigt (25-30°), aber trotzdem gerade!
Ziel: Nahtloser Übergang nach dem Beinstoß, Bootsgeschwindigkeit bis zum Ende halten, am Ende gerade und stabil im Boot sitzen
Übung: Nur mit den Armen Rudern
Druck
Die meisten international erfolgreichen Einerfahrer und Mannschaften werden als "`Vorderzug-betont fahrend"' charakterisiert, was daher kommt, das man dort (Beinkraft) biomechanisch die größte Kraft ausüben kann.
Ziel: Der Druck sollte über den ganzen Zug so verteilt sein, wie man ihn kontrolliert ausüben kann.
Übungen:
Geschwindigkeitsverlauf
Im Laufe des Durchzuges wird das Boot schneller. Um auch am Ende noch Druck ausüben zu können, muss man die Durchzugsgeschwindigkeit anpassen, das heißt mit der Bootsgeschwindigkeit erhöhen. Wer dies nicht macht, "schlabbert" irgendwie aus dem Wasser, und verschenkt wertvolle Schubstrecke.
Ziel: Die Durchzugsgeschwindigkeit im Durchzug kontinuierlich steigern.
Übung: Boot anschieben
Hände
Zu tief eingetauchte Blätter bedeuten einen schlechten Sitz im Wasser und bedeuten Energieverlust, da der Schaft zusätzlich zum Blatt durch das Wasser gezogen werden muss. Der Schaft ist rund, weshalb das Wasser ungerichtet abströmt und keinen Vortrieb generiert wird sondern eher gebremst. Zudem wird das Ausheben erschwert. Im Riemenboot ist es zusätzlich ein großes Problem, weil das Boot beim Durchzug dann auf einer Seite hängt.
Ziel: Die Hände bewegen sich während des gesamten Durchzuges auf einer geraden horizontalen Linie. Die "Höhe" dieser Linie bestimmt die Tauchtiefe des Blattes im Wasser.
Übung: Blätter durchschwimmen lassen
Ankommen am Körper
Durch den leichten horizontalen Unterschied der Hände ist die linke Hand etwas weiter vom Körper weg als die rechte. Das kann dazu führen, dass man mit der rechten Hand früher an den Körper stößt, und beim Ausheben mit dieser am Körper hängen bleibt: Man hat keinen Platz um auszuheben, bleibt im Wasser hängen, dadurch bekommt das Boot einen Impuls und kippt ab.
Die Lösung ist, beim Armzug den linken Arm etwas mehr zu betonen bzw. schneller zum Oberkörper zu bewegen. Oft ist man den obligatorischen Backbordhänger sowie Ausweichbewegungen mit dem Oberkörper plötzlich los.
Ziel: Mit beiden Händen gleichzeitig und auf einer Höhe am Körper ankommen.
Übung: Pausenschläge im Endzug
Hilfestellung: Gewichtheben
Wer eine Vorstellung davon bekommen möchte, wie man den Körper optimal Einsetzt, der kann sich auf dem Trockenen einmal mit der Übung Stilgewichtheben befassen. Dies gibt einem ein Gefühl wie man die Haltung optimieren kann!
häufige Fehler
Vertikalbewegung
Das Stampfen, was ~ 4% des Widerstandes ausmacht, kommt zu einem großen Teil durch die bloße Bewegung der Ruderer nach vorne und hinten zustande. Dieser Wert kann aber deutlich darüber liegen, wenn man Vertikalbewegungen in die Ruderbewegung einbaut.
Wenn man im Endzug den Oberkörper nach unten zuammensacken lässt oder sehr weit in die Rücklage geht, kommt der Bug dadurch aus dem Wasser, um beim wieder Aufrichten umso tiefer wieder ins Wasser einzuschneiden. Im Endzug sitzt der Ruderer im Bug, dieser sinkt also tief ein und bremst. Es ist also nicht gut, wenn man dies mit dem Oberkörper noch verstärkt.
Problem: Stampfen = höherer Widerstand = Boot langsamer'
Übung: Blätter durchschwimmen lassen
Druckverlauf
Über den Druckverlauf gibt es viele verwirrende Stimmen, die auswendig gelernte Statements wie 'früher Druckaufbau!' oder 'nach hinten rausschieben!' abgeben.
Selbst in Internetauftritten von Landesruderverbänden findet man in Trainerreferaten sinnfreie Statements wie "`Steigerung der Schubwirkung ab 110° Ruderwinkel durch eine hohe Bewegungsgeschwindigkeit des Innenhebels bei stark abnehmender Kraftabgabe der Ruderinnen und Ruderer"' [[1]].
Bei ersterem geht es alleine um das zügige Setzen, bei letzterem nicht um den Druck, sondern um die Durchzugsgeschwindigkeit. Da man im Endzug nicht mehr Tempo machen kann, als man im ersten Teil des Durchzuges erreicht hat, ist es unmöglich am Ende des Durchzuges den Druck erhöhen zu wollen.
Problem: Keine Mannschaftskoordination mehr möglich, Ausweichbewegungen, Kraftverlust, Schmerzen
Übungen:
Aus dem Wasser kommen
Wenn man versucht, die Blätter durch das Wasser zu ziehen (oder am Ende, wo man keine Kraft mehr hat, den Druck erhöhen will), muss man dafür aus dem Wasser raus.
Das Blatt steht beim Durchzug im Wasser grob an der immer selben Stelle stehen, da wo man es einsetzt. Alle Versuche das zu ändern führen dazu, dass man schnell kaputt ist und Schmerzen an allen Gelenken hat. Auch kann man, wenn das Blatt auf dem Weg aus dem Wasser ist, die Bewegung (insbesondere wenn noch rohe Kraft dahinter steht) nicht mehr steuern. Das Boot macht also mit Sicherheit dann etwas, was keinen Sinn macht.
Das "aus dem Wasser kommen" erzeugt zwar eine große 'Qualle' und unglaubliches Kraftgefühl, bringt aber für den Vortrieb gar nichts und sagt nichts über die Kraft des Ruderers aus, nur über schlechte Technik. Und alle anderen stört es.
Problem: Ausweichbewegungen, keine Bootskontrolle mehr möglich, Kraftverlust, Schmerzen, Boot kippt
Übungen:
In den Bauch ziehen
Manchmal ist der Grund für das frühzeitige aus dem Wasser kommen auch eine falsche Handkurve:
Wenn man die Hände am Ende des Zuges nicht Richtung des unteren Rippenbogens, sondern in Richtung Bauch nach unten zieht, kommt das Blatt zu früh aus dem Wasser, man wischt aus.
Problem: Große Qualle, fehlende Kontrolle, Effizienzverlust!
Übung: Blätter durchschwimmen lassen
Handhöhen unterschiedlich
Die Blätter im Wasser haben den Vorteil, dass man das Boot stabilisieren, Kippen auffangen, seitliches Hängen korrigieren und das Boot geradestellen kann. Genauso kann man es durch falsche Handführung zum "`Kippen"' bringen. Darum muss man die 2cm (und nicht mehr!) Höhenunterschied konstant beibehalten%
Beim Ziehen überkreuzen sich die beiden Hände. Es gibt 4 gleich gute Varianten dies zu lösen, international hat sich die Variante "`rechte unter links und näher am Körper"' etabliert.
Der vertikale Unterschied würde zu einem schief hängendem Boot führen, um dies zu vermeiden, sind die Dollen Backbord ca. 0,5-1,0 cm tiefer als Steuerbord eingestellt. Der gewollte Höhenunterschied der Hände liegt so 1,5-2 cm auseinander. Alle größeren oder kleineren Unterschiede führen zu einem "`Hängen"' des Bootes, genauso wie durch an diesen tragen oder anstoßen höhentechnisch verbogene Ausleger.
Problem: Boot kippt, fährt nicht geradeaus, kein grader Oberkörper im Endzug mehr möglich
Übungen:
weiter mit Ausheben



