Anlagewinkel einstellen
Aus Ruderwiki
Der Winkel des Blattes im Wasser wird von 2 Winkeln bestimmt:
- Der Anlagewinkel an der Dolle
- Der Winkel zwischen der Manschette der Skulls/Riemen und dem Blatt.
Der Winkel an den Skulls/Riemen ist nur schwer einstellbar, und sollte normalerweise von Werk aus richtig einstellt sein. Er kann meist nur durch ablösen der Manschette und neues Ankleben verändert werden, wo der normale Ruderer seine Finger von lassen sollte.
Inhaltsverzeichnis |
Neigung des Dollenstiftes
Der Dollenstift muss in alle Richtungen eine Neigung von 0° aufweisen
Jede Schieflage dieses Stiftes bewirkt eine Änderung des Anlagewinkels während des Durchzuges, was nicht erwünscht ist.
Der Dollenstift kann durch folgende Faktoren verbogen sein:
- Aufsetzen der Dolle beim Drehen des Bootes
- Anecken an den Türen der Bootshalle
- Änderung der Dollenhöhe durch einfügen von Winkelplatten zwischen Spant und Ausleger
- Vergessene Unterlegscheiben zwischen Spant und Ausleger
Beim Ändern der Dollenhöhe durch Winkelplatten und Unterlegscheiben sollte man sich im klaren sein, das jeder dadurch erreichte Zentimeter Dollenhöhe in einem C-Boot eine Außenneigungsänderung von 2,4 ° bewirkt!!
Korrektur der Neigung
Die Neigung kann meist nur durch Verbiegen des Ausleger Korrigiert werden. Dazu wird die sogenannte Wahrheit angesetzt, und mit dieser der Dollenstift vorsichtig in die Senkrechte gebogen.
Anlagewinkel an der Dolle
Der Anlagewinkel an der Dolle sollte zwischen 0 und 6 Grad betragen.
Es gibt verschiedene Methoden, den Anlagewinkel zu verändern
Bügeldollen
Bei Bügeldollen wurde der Dollenstift durch einen am Ausleger befestigten Bügel gehalten. Dieser war verstellbar, und damit der Winkel einer fixen Dollen beinflusst.
Da hiermit jedesmal die Neigung des Dollenstiftes geändert wurde, erhielt man keinen gleichmäßigen Winkel.
Bügeldollen werden heute nicht mehr verwendet und finden sich nur noch bei meist museumsreifen Booten.
Exzenterdollen
Früher wurden zwischen der Führung der Dolle und dem Dollenstift eine exzentrische Hülse geschoben. Durch drehen dieser Hülle konnte der Winkel der Anlagefläche (und nebenbei der Winkel der Dolle im rechten Winkel dazu) geändert werden.
Auch die Exzenterdollen werden heute nicht mehr verwendet.
Dollen mit austauschbarer Anlageplatte
Eine verbreitete Methode ist es, in der Dolleninnenfläche eine Platte anzuschrauben, an der die Manschette anliegt. Die Dolleninnenfläche hat dabei meist einen Winkel von 4°, der mittels Platten von 0-4° Grad variiert werden kann.
Die Platten werden dabei von 2 kleinen Schrauben von der Rückseite der Dolle aus gehalten.
Bei Verlust der Platte liegt der Skull an der Dolle an, und meist ragen aus dieser die beiden Schrauben, welche beim Rudern die Manschetten der Skulls/Riemen in kürzester Zeit zerstören!
Dollen mit Einsteckhülsen
Die neueren Dollen von beispielsweise Empacher und Concet2 haben eine Führung, die von vorne herein mit 4° ausgelegt ist, und in welcher der eigentliche Dollenstift mittels zweier von oben und unten eingesteckter Hüllen zusätzlich varriert werden kann.
Der Anlagewinkel ist somit leicht durch das Autauschen der beiden Hüllen änderbar.
Messen des Anlagewinkels
Anlagemeßgeräte
Man kann im Handel käuflich sogenannte Anlagemeßgeräte erwerben, die einem bei der Einstellung des Anlagewinkels helfen. Sie bieten ohne Zweifel die einfachste und genaueste Methode der Messung und Einstellung.
In der folgenden Abbildung ist Schema eines solchen Gerätes dargestellt:
a) Achsen
b) Gradskala
c) Platte zum Anlegen an die Anlage
d) Platte zum Aufsetzen und eichen
e) Wasserwaage
Eichen
Der Vorteil dieses Gerätes ist, dass man es mit etwas gedanklicher Geschicklichkeit auch bei einem nicht in der Horizontalen liegenden Boot verwenden kann, da das Meßgerät in der Lage ist, eine schräge Ebene als Horizontale zu definieren.
Dafür legt man erst einmal eine Horizontale im Boot fest, die dem Verlauf der späteren Wasserlinie entspricht.
- Für eine Messung in Fahrtrichtung bietet sich hierbei der Kiel in der Bootsmitte an, da dieser diesem Ideal später am ehesten entspricht. Das Einsteigebrett oder die Rollbahnen sind nicht hierfür geeignet, das sie nicht horizontal im Boot befestigt sind.
- Für eine Messung quer zur Fahrtrichtung (Kontrolle ob der Dollenstift senkrecht steht) bietet sich die eine Rollbahn an (im genau rechten Winkel auflegen!), da diese der späteren Horizontalen entsprechen sollte.
Anmerkung: Ob diese definierte Waagerecht später wirklich waagerecht ist, hängt davon ab, wie das Boot besetzt ist, und natürlich von der Wahl der Waagerechten. Ob sie auch wirklich parallel zur späteren Wasserlinie ist oder nicht ist sekundär, wichtig ist das sich alle Anlagewinkel auf ein und die selbe Ebene beziehen.
Messen des Anlagewinkels
Nun wird das Meßgerät mit der Platte d auf die definierte Waagerechte gesetzt und die Libelle in die Horizontale gebracht.
Anschließend legt man das Gerät mit der Platte c an die Anlagefläche an, und stellt die Skala ein, bis die Libelle in der Horizontalen ist. An der Skala kann nun der Anlagewinkel abgelesen werden.
Fehlerquellen
- definierte Horizontale
- Wenn die definierte Horizontale nicht parallel zu Wasserlinie ist, weicht der spätere Anlagewinkel um einen Korrekturwinkel, der der Abweichung zwischen Wasserlinie und definierter Horizontalen entspricht ab.
- Wer diesen ganz genau wissen will, kann das Gerät mit ins Boot nehmen und an einer beliebigen Senkrechten im Boot mit der Platte c anlegen, die Skala auf 0° einstellen, die Libelle der Wasserwaage durch Verdrehen der Platte, auf der sie befestigt ist, in die Waagerechte bringen und sie danach auf gar keinen Fall mehr verändern.
- Nach dem Herausnehmen des Bootes dann das Gerät mit der Platte d an einer beliebigen definierten Waagerechten aufsetzen, und solange die Skala verstellen bis die Libelle waagerecht steht. Der nun abgelesene Winkel entspricht dem Korrekturwinkel zwischen Wasserlinie und definierter Waagerechten , um den der Anlagewinkel später korrigiert werden muss.
- Boot wird während der Messung bewegt
- Wenn das Boot in Gurtböcken liegt, und man an dieses stößt oder die Position der Böcke verändert, ohne das Gerät neu zu eichen, kann es sein das die gedachte Horizontale nicht mehr der Eichung des Gerätes entspricht. Am besten nach der letzten Messung noch einmal überprüfen, ob die Eichung des Gerätes immer noch an die anfangs festgelegte Horizontale eingestellt ist.
- Ausweg: Boot mit Spanngurten in den Böcken befestigen
- Dummheit des Messenden
- Durch Drehen des Meßgerätes, Messen von der falschen Seite oder verstellen des Gerätes beim Hantieren kommen natürlich jede Menge Fehler zusammen.
- Auswege:
- Wenn man das Gerät eicht, sich merken in welche Richtung (Bug, Heck, Wasser, Land) das Gerät zeigt und bei der Messung auch genau diese Richtung einhalten:
- Vorsichtig das Gerät verwenden und regelmäßig neu eichen
DDR-Methode
Wer ein solches Gerät nicht benutzt oder hat, kann eine als DDR-Methode bezeichnete Messmethode verwenden
Zubehör
- Wasserwage
- ebene Fläche
- 2 Gurtböcke und Spanngurte
- Eimer Wasser
- Bindfaden
- Zollstock
- Gewicht (dicke Mutter oder Schraube)
Eichung
Man Legt das Boot in die Böcke und bewegt diese so lange vor und zurück, bis eine auf die definierte Horizontale im Boot gelegte Wasserwage diese als waagerecht auszeichnet. Ob diese der Wasserlinie entspricht, kann man herausfinden, indem man auf dem Wasser mit der Wasserwaage so lange eine Ebene sucht, die horizontal liegt.
Nun bindet man das Boot in den Gurtböcken mit den Spanngurten fest und misst mit der Wasserwaage auf der Rollbahn die Querneigung, und dreht das Boot in den Böcken so, das es waagerecht liegt.
Messung
Nun bindet man das Gewicht an den Bindfaden, und macht in diesen in Höhe der Dollen über dem Boden 2 Konten im Abstand von genau 10cm (oder 5cm, für halbierte Genauigkeit, oder beliebiger Abstand wer gut im Kopfrechnen ist).
Man stellt den Wassereimer unter die zu messende Fläche und hängt das Gewicht mit dem Faden hinein. Nun legt den Faden mit dem oberen Knoten an, wartet bis der Faden sich beruhigt hat, und misst den Abstand zwischen Bindfaden und der Fläche auf Höhe des unteren Knotens.
Der Abstand in zwischen der zu messenden Fläche und der Schnur am unteren Knoten in Millimetern entspricht bei einem Knotenabstand von 100mm (= 10cm) und einem Winkel von unter 10° in vollkommen ausreichender Näherung dem Winkel zwischen der Senkrechten und der gemessenen Fläche.
Fehlerquellen
- Boot liegt nicht waagerecht
- Durch anstoßen am Boot kann es aus der Waagerechten gestoßen werden (öfter die Wasserwaage kontrollieren)
- Seitenwind
- der Wind kann die Schnur aus der Senkrechten auslenken, was aber ein großes Gewicht und der Wassereimer minimieren sollte.



